Handmade with love – Wenn selbstgemachte Geschenke schiefgehen

Es ist wieder mal soweit. Was Weihnachtstage angeht sind wir für dieses Jahr aus dem Gröbsten raus. Die meisten Geschenke haben ihren Bestimmungsort und neuen Besitzer gefunden und diesen auch mehr oder weniger glücklich gemacht. Ein Paar Gedanken zum erfolgreichen Selbermachen von Geschenken.

Mit dem Schenken ist es so eine Sache. In einigen Familien und Freundeskreisen ist es Tradition, reichlich und grosszügig zu schenken. Andere ziehen aus verschiedenen Gründen eine Weihnacht mit weniger Geschenken vor. Ein Geschenk, kann Freude machen, wenn es den Geschmack und die Wünsche des Beschenkten trifft, oder es kann Schenkende und Beschenkte frustrieren.

Weihnachtsstress

Kurz vor Weihnacht und am 24. Dezember häuften sich auf Facebook in den Nähgruppen leicht panische Beiträge à lhttps://sibyllehitz.wordpress.com/wp-admin/post-new.php#a was soll ich meiner Schwiegermutter/Tante/Zahnarzthelferin nähen. Der Wunsch einem lieben Menschen eine Freude zu machen steht hier eigentlich im Vordergrund. Eine schöne kleine Geste.

Weihnachstfrust

Am 25. die grosse Ernüchterung – der Gatte fand es blöd zu Weihnachten handgestrickte Socken zu bekommen. Auch wenn seine Frau drei Wochen lang am komplizierten Muster strickte und dabei am liebsten aufgegeben hätte. Eigentlich mag er überhaupt keine handgestrickten Sachen. Die Reaktion auf solche Klagepostings ist für mich erschreckend: Sehr viele Kommentare zielen in Richtung – wer handgemachte Geschenke nicht schätzt ist ein Bösewicht. Es ist „handmade with love“, also muss es gefallen.

Nur weil wir ein Hobby haben, mit viel Liebe und Herzblut schöne (manchmal auch weniger schöne) Dinge herstellen, heisst das nicht, dass unser Umfeld unsere Begeisterung teilen muss.

Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell verfügbar ist. Selbermachen ist zwar ein Trend, eine Modeerscheinung, aber der Grossteil der Menschen in meinem Umfeld ist sich daran gewöhnt, Dinge zu kaufen. Kleidung, Deko… Dinge, die der Mode angepasst sind. Da passt die süsse, bunte, gehäkelte Handyhülle mit der Lieblingscartoonfigur vielleicht einfach nicht ins Designkonzept. Schon gar nicht, wenn das gute Stück nicht einmal handwerklich sauber angefertigt wurde. Schief? Na und? Es ist handgemacht!

Dankbarkeitsverpflichtung

Das Dilemma des Beschenkten ist klar: eigentlich zu Dankbarkeit verpflichtet, weil eine liebe Person sich so viel Zeit und Mühe genommen hat ein Geschenk selber zu machen, das einem leider nicht gefällt. Die Farben, das Muster, die Idee eine gehäkelte Handyhülle haben zu müssen…

Eine blöde Situation für alle Beteiligten. Die Schenkerin ist Enttäuscht, weil sie merkt, dass das Geschenk nicht ankommt – oder noch schlimmer – später im Müll entdecken muss, was so liebevoll gefertigt wurde. Die Beschenkten schwanken zwische Freude heucheln und ehrlicher Ansage.

Qualität

Wenn wir kein Kind mehr sind, fällt der Welpenschutz weg. „Was hast Du denn da schönes gemalt? Ein Hund? Das ist ja toll!“. Kommentare in dieser Art braucht niemand. Wenn unsere Handarbeitskünste nach objektiven und selbstkritischen Gesichtspunkten noch nicht gut genug sind, müssen wir die angefertigten Stücke nicht verschenken. Niemand mag Pfusch. Auch nicht wenn er einem als Geschenk angehängt wird. Genausowenig will jemand eine Handtasche geschenkt bekommen, deren Nähte aussehen, als würden sie sich nächstens auflösen.

Handarbeit ist selten perfekt- an einem sonst sauberen Pullover stört eine einzelne schräge Naht an unauffälliger Stelle nicht. Wenn allerdings der Frontreissverschluss so schräg angenäht wird, dass das ganze Kleidungsstück schief wird, sieht es aus nach „Versucht, aber nicht gekonnt“.

Selbstgemachte Geschenke kommen an…

…wenn man mit Sicherheit weiss, dass der oder die Beschenkte Freude an unserem Handwerk hat und auch für sich so etwas gerne haben möchte. Wenn es um Kleidung oder andere massgefertigte Dinge geht, ist die richtige Grösse auch wichtig. Schade, wenn die Arbeit umsonst ist, weil der Pullover einfach nicht passt.

…wenn wir unser Handwerk soweit Beherrschen, dass wir eine Arbeit abliefern können, die objektiven Kriterien standhält. Objektiv heisst nicht „es iat alles schief, aber ich finde es toll so. Ich habe es selber gemacht.“

Wertschätzung

Wenn es darum geht, Wertschätzung mitzuteilen, muss es nicht zwingend ein genähtes Dings aus Hello Kitty Stoff sein, wenn die Beschenkte nicht 11 Jahre alt ist und voll in der Rosakätzchenphase steckt. Manchmal ist auch eine einfache Karte die richtige Wahl. Und Karten kann man ja auch sehr gut selber machen.

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