Zweifarbig stricken

Als Teenie hatte ich einen Pullover aus Alpacawolle, ein unsäglich sackartiges Konstrukt aus dem Secondhandladen. Mein Vater hasste mich dafür… Der Pullover hatte jedoch seine guten Seiten. Auf Schulterhöhe war ein mehrfarbiges Muster eingestrickt, wenn ich mich richtig erinnere, waren es Lamas und Männchen. Anhand dieses Pullovers habe ich – in der Theorie – verstanden, wie mehrfarbiges Stricken funktioniert. Jetzt hab ich es auprobiert, und das sind die ersten Resultate:

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Als kleines Goodie gibt es am Schluss des Artikels noch einige Herzchenmuster zum Nachstricken, als freien Download.

Zwei Fäden genügen vollauf

Im Moment stricke ich nur mit zwei Farben. Zwei Fäden zum Mitführen reichen mir für den Anfang völlig aus. Die zwei Fäden werden zwischen den kleinen und den Ringfinger gefädelt und dann separat um den Zeigfinger gewickelt. (Im Video weiter unten wird das erklärt ) Knifflig dabei ist, dass sich die Fäden nicht in die quere kommen…

Unerwünschte Spannung

Bei meiner Arbeit, sieht man auf der Rückseite, wie die Spannfäden einfach mitgeführt wurden. Ich versuchte dabei natürlich, die Fäden möglichst gleichmässig zu spannen, was aber nicht so gut ging. Es war recht schwierig ein gerades Maschenbild zu stricken.

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Als ich mein Werk in einer Facebook Strickgruppe zeigte, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es auch anders geht. Dazu gibt es auf dem Nadelspiel Youtube Kanal eine tolle Videoanleitung. Danke!

In diesem Video wird gezeigt, wie der mitgeführte Faden so eingewickelt werden kann, so dass keine langen Spannfäden entstehen. Das ist eine gute Idee und wird beim nächsten Mal beherzigt. Gerade bei Socken ist es mühsam, wenn die Zehennägel beim anziehen immer bei den langen Spannfäden einhängen… Wie man erfolgreich zwei Fäden um den Finger wickelt, wird auch anschaulich gezeigt.

Die Wolle

Zum Experimentieren habe ich Restenwolle verwendet, die noch ganz knapp nicht ganz für zwei Paar Sneaker Socken reichte. Wie immer, wenn ich knapp kalkuliere mit der Wolle, geht es um ca 10 Runden nicht auf. Ich sollte es langsam wissen. Da es Socken für den Eigenbedarf sind, finde ich das nicht schlimm, es erzählt eine kleine Geschichte, wenn die Zehenfarbe bei Socke #2 schon 10 Runden vor der ersten Abnahme beginnt.

Beim ersten Paar strickte ich mit violetter Wolle gleich nach dem Bündchen eine Art Wellenfries, das zweite Paar bekam ein Herzchenmuster verpasst. Weil es so schön war habe ich gleich mehrere Herzchenmuster entworfen, sie sind als freier Download am Schluss des Artikels verlinkt.

Die Socken sind sehr bequem, es ist herrlich, sich den Wind um die Knöchel wehen zu lassen. Ja, das ist für die meisten wahrscheinlich nichts neues, für mich ist das mit den Sneakersocken Premiere…

Und bevor Fragen auftauche: Ja, ich trage tatsächlich auch im Hochsommer wollene Socken. Bei Baumwollsocken hatte ich immer das Problem, dass die Socken innert kürzester Zeit durchgeschwitzt waren.

Bei wollenen Socken ist es meinen Füssen wohler, aber wenn das Thermometer mehr als 30°C anzeigt, müssen die Knöchel nicht mehr unbedingt verhüllt sein. Barfuss gehen ist natürlich noch besser, beim Radfahren oder in der Zivilisation trage ich lieber Schuhe, zum Schutz meiner Füsse…

Kurzgefasste, eher ungefähre Anleitung

Wer eine Ausführliche Anleitung fürs Sockenstricken sucht, ist in meinem Tutorial „Socken stricken – eine kleine Anleitung“ besser bedient.

Vier bis sechs Rd im Bündchenmuster (1 rechts 1 links) stricken.
Dann 2 oder drei Runden mit der Hauptfarbe glatt rechts weiterstricken, den zweiten Faden dazunehmen und das zweifarbige Muster ( auf der Chart natürlich oben beginnen mit dem Muster…) abstricken.
Ist die Maschenzahl der Runde nicht durch die Maschenzahl des Musters teilbar, sollten die überzähligen Maschen der Runde gleichmässig zwischen den Musterblöcken verteilt werden.

Beide Muster erstrecken sich über ca 12 Rd. Die Socken gehen so ganz knapp über den Rand von Turnschuhen. Für den Sommer finde ich das ideal.

Nochmals zwei bis vier Runden ohne Muster stricken und danach mit der Ferse beginnen und so weiter und so fort.

Beim Modell mit dem Wellenfries strickte ich übrigens eine Käppchenferse, wie in der oben verlinkten Anleitung beschrieben. Das Modell mit den Herzen bekam eine Bumerangferse nach der Videoanleitung von Elizza verpasst. Das war übrigens meine erste Bumerangferse und beim nächsten mal werde ich die Bumerangferse ohne Löcher versuchen, die ebenfalls auf Elizzas Kanal zu finden ist. Super Sache übrigens, die Videoanleitungen sind sehr hifreich.

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Soweit so gut

Die Freude über die neuen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich mir da eröffnen ist gross. Vor meinem geistigen Auge entstehen natürlich schon wieder die tollsten Kreationen… Mit zwei Fäden gestrickte Sachen sind dicker und auch wärmer, als einfach gestrickte. Allerdings ist der Garnverbrauch – je nach Muster – fast doppelt so hoch. Bevor ich also Knäuelweise Garn verhunze, übe ich die Technik mit den zwei Fäden noch ein wenig in kleineren Mustern, bevor ich das erste komplett zweifarbig gestrickte Paar Socken beginne. So vermeide ich, mich zu überfordern und die Lust an einem Projekt zu verlieren. Das ist eine meiner Strategien um UFOs (UnFertige Obiekte) zu vermeiden.

Beim Üben kann ich natürlich im stillen Kämmerchen von den grossen Mustern träumen. Wer mich kennt, weiss, dass das träumen meist mit dem Bleistift auf Papier stattfindet – im Fall von Strickmustern findet das Träumen natürlich auf Häuschenpapier statt. Ich möchte mich ja auch später noch an meine Träume erinnern können, damit ich diese dann auch in Realität umwandeln kann.

Reinzeichnen geht übrigens ganz gut mit einem Tabellenprogramm à la Excel oder bei mir natürlich „Open Office – Calc“. Rudimentär erklärt musst Du einfach die Tabellen auf die Maschenprobe einstellen. Bei mir funktionieren Tabellenzellen mit einer Höhe von 0.3cm und einer Breite von 0.4cm sehr gut. Das ergibt ein gutes Raster, bei dem nur noch die Hintergrundfarben der Zellen verändert werden müssen, um die Muster darzustellen. Das führe ich dann aber in einem anderen Artikel aus. Weil es so spass machte, hab ich gleich eine Herzchensammlung zum Nachstricken zusammengestellt, die ich als Freebie zum Download anbiete.

Herzchenchart

Die Charts für das Herzchenmuster kannst Du herunterladen. Die Muster sind frei, sie können für jeden Zweck verwendet werden.
Charts für das Herzchenmuster

Der Folgeartikel – zweifarbig Stricken – die Zweite

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Ein Gedanke zu “Zweifarbig stricken

  1. Pingback: Zweifarbig stricken – die Zweite | Sibylle Hitz

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